Wohnungen in Wollishofen werden verhindert und Enteignungen salonfähig?
Veröffentlicht am 25.09.2025 von Flurin Capaul, Gemeinderat FDP 3

Hinter dem - gemäss dem grünen Gemeinderat Jürg Rauser poetischen - Titel „Amt für Städtebau, Regionaler Richtplan Stadt Zürich, Teilrevision Siedlung und Landschaft, Überweisung an den Gemeinderat zur Verabschiedung für die Festsetzung durch den Regierungsrat” verbirgt sich harte Kost. Was der Stadtrat als „punktuelle Anpassungen im regionalen Richtplan” und „Schaffung der richtplanerischen Grundlagen” beschreibt, führt zur Festsetzung einer Planungszone.
Das klingt belanglos, hat jedoch zur Folge, dass die Firma KIBAG ihr Projekt zur Errichtung von Wohnungen auf dem eigenen Grundstück in Wollishofen nicht realisieren darf. Ein fertiges Wohnbauprojekt mit einem Park wird verhindert. Auslöser dafür sind Aktivisten aus dem Umfeld der Roten Fabrik. Sie fühlen sich bedroht, da sie Lärmklagen von zukünftigen Nachbarn fürchten. Dabei muss sich die Rote Fabrik bereits heute an die Lärmvorschriften halten.
Anstatt diesem Gebaren Einhalt zu gebieten und das geltende Recht durchzusetzen, lässt sich der Stadtrat von den Aktivisten vor sich hertreiben. Zwischenzeitlich wird in den Tageszeitungen bereits über Kaufabsichten der Stadt Zürich spekuliert. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Stadt droht, ein Projekt mit planerischen Mitteln zu verhindern, um möglicherweise den Verkaufsdruck zu erhöhen. Das geht schon fast in Richtung einer Enteignung.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Stadtrat – mit Unterstützung der rot-grünen Mehrheit des Gemeinderats – aktiv die Schaffung von Wohnungen verhindert. So etwa beim Schulhaus Letzi, wo aus denkmalschützerischen Gründen eine Wohnzone aufgehoben wurde. Dies geschah ausgerechnet bei einem Bau von Ernst Gisel, der für seine Beiträge zur Verdichtung und zum Bauen im geschützten Bestand bekannt war. Es lohnt sich auch, einmal nach „Tukan” zu googeln: Beim damaligen Geschäft der Stadtgärtnerei wurde ebenfalls eine bestehende Wohnzone aufgehoben. Man glaubt es kaum.
Der Stadtrat hat kürzlich einen Delegierten für das Wohnen berufen. Das KIBAG-Gelände in Wollishofen wäre ein idealer Fall gewesen, in dem sich der Delegierte für sein Thema hätte einsetzen können. Er hätte etwas Konkretes für mehr Wohnungen in der Stadt bewegen können. Zudem hätte er die Vermutung der NZZ aus dem Juli 2024, er liebäugele mit Enteignungen, ausräumen können. Stattdessen scheint das in der Stadt Zürich nun salonfähig zu werden.