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Persönliche Erklärung zu den Exzessen auf der Aemteranlage und dem Friedhof Sihlfeld, gehalten in der Gemeinderatssitzung vom 10. Juni 2020

Veröffentlicht am 10.06.2020 von

Raphaël Tschanz, Gemeinderat FDP Kreis 3

Die Umgebung des Aemtler Schulhauses ist zu einem unerfreulichen Hotspot geworden. Darüber haben das Tagblatt (19. Mai 2020 und 26. Mai 2020) und der Tagi (6. Juni 2020) in den vergangenen Wochen mehrfach berichtet.

Die Menschen im Quartier fühlen sich aber bereits seit 2017 gestört durch wilde Fussballturniere auf der Aemtlerwiese verbunden mit Littering, Alkoholexzessen, Beschädigung der Wiese und Lärmbelästigung. Diese Beobachtungen werden u.a. vom Quartierverein Wiedikon bestätigt. Seit Herbst 2019 macht überdies eine vandalierende Jugendszene die Aemtleranlage zwischen Schulhaus und Friedhof Sihlfeld unsicher. Ausgelassene Partys, Sachbeschädigung, Drogenhandel, Gewalttaten und Messerstechereien mit lebensgefährlichen Verletzungen nehmen zu.

Der Kreischef 3 der Stadtpolizei Zürich äusserte sich dahingehend, dass der Polizei die Hände gebunden seien, weil Arealverbote für einzelne Personen erst auf Antrag der Eigentümerin der Anlage ausgesprochen werden können. Bei der Eigentümerin handelt es sich um Immobilien Stadt Zürich und damit um die Stadt selbst. Die Immo ist bisher aber untätig geblieben resp. versteckt sich hinter bürokratischen Prozessen.

Der Leiter des Bestattungs- und Friedhofamts bestätigte den Sachverhalt, erklärte jedoch, machtlos zu sein. Tatsache ist, dass gemäss Friedhofreglement eben gerade der Leiter des Friedhofamts nach § 21 Abs. 2 die Kompetenz hat, den Friedhof zu schliessen.

Dass die genannten Probleme der Verwaltung sehr wohl bekannt sind, beweisen amtliche Hinweisschilder auf dem Friedhof mit der Bitte «weder Park noch Toiletten für sexuelle Treffen oder Drogenkonsum zu benutzen».

In der Anwohnerschaft des Aemtler Schulhauses wächst das Unverständnis und die Wut auf die städtischen Behörden, die gegen die Missbräuche nichts unternehmen. Dafür zeugen etliche Zuschriften von verzweifelten Mitbürgerinnen und Mitbürgern an den Quartierverein Wiedikon.

Ich möchte diesen Personen, die von der Verwaltung nicht gehört werden, hier eine Stimme geben und aus den erwähnten Zuschriften zitieren:

  • «Ich bin Anwohnerin Nähe Bertastrasse/Idaplatz. Zum zweiten Mal ist innert kurzer Zeit jemand niedergestochen worden in unserem Quartier, das ich vor 8 Jahren als sicher und familienfreundlich erfahren habe. Ich bin besorgt.»
  • «Wir wohnen seit über 40 Jahren an der Aemtlerstrasse. Die Entwicklung des Quartiers rund um den Idaplatz und die Aemtlerwiese macht uns zunehmend Sorge. Jugendliche lungern dort herum, werfen Velos in den Teich, zerschlagen die Lampen, zünden Bäume an. Wir fühlen uns hilflos. Mein Mann möchte am liebsten wegziehen.»
  • «Auch heute Nacht war wieder Haligali bis 03.00 Uhr im Park zwischen dem Aemtlerschulhaus und dem Friedhof. Sollte im Park keine Lösung gefunden werden, werde ich von hier wegziehen, denn 3 ½ Jahre Nacht für Nacht nicht schlafen können, übersteigt meine Kräfte.»
  • «Ist es wirklich nötig, dass der Friedhof 24 Stunden offen ist? Schade für das schöne Quartier und die Bewohner, die seit drei Jahren unter diesen untragbaren Zuständen leiden müssen.»
  • «Ich finde es nicht gut, wenn die Friedhöfe in der Schweiz mehr und mehr zu Freizeitparks verkommen. Es hat auch etwas mit unserem Glauben zu tun, den es zu respektieren gilt.»
  • «Es ist nicht zu fassen, dass sich Menschen auf den ‘Friedhöfen’ und möglichst in der Nacht aufhalten und herumlungern müssen, Abfall aller Art hinterlassen, Flaschen, Scherben, Plastik etc. Ein Friedhof ist immerhin ein Ort der Toten. Man hat auch davor keine Achtung mehr.»

 

Ich frage Sie, Frau Stadtpräsidentin Mauch, Frau Stadträtin Rykart, Herr Stadtrat Odermatt, hören Sie diese Stimmen bzw. wollen Sie diese überhaupt hören?

Und falls ja, warum unternehmen Sie nichts dagegen?

In Ihren Ansprachen werden Sie nicht müde zu verkünden, dass Sie zum Wohl aller Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Stadt besorgt sind.

Anerkennen Sie, dass es Menschen in unserer Stadt gibt, die sich in ihren Gefühlen und in ihrem Glauben zutiefst verletzt fühlen, wenn Friedhöfe für Partys, sexuelle Handlungen und Drogenkonsum missbraucht werden?

Was antworten Sie diesen Menschen?

Wenn nichts unternommen wird, ist zu befürchten, dass in den kommenden lauen Sommernächten die Situation weiter eskalieren wird. Dies gilt es zu verhindern. Eine nächtliche Schliessung des Friedhofareals wäre ein erster Schritt.

Wir fordern Sie dringend auf zu handeln.