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Neue Altersstrategie: Was lange währt, wird endlich gut

Veröffentlicht am 28.06.2020 von

Elisabeth Schoch, Gemeinderätin FDP Kreise 4 + 5

Am 24. Juni 2020 stellte der Stadtrat endlich die von der FDP geforderte, neue Altersstrategie vor. Schon früh, nämlich im 2018 verlangten wir, Elisabeth Schoch und Albert Leiser, einen Marschhalt in der blinden Sanierung der städtischen Alters- und Pflegezentren. Immer mehr vom Gleichen, obwohl sich das Umfeld ändert, fanden wir gefährlich. So zeigte die kantonale Obsan-Studie auf, dass in der Stadt Zürich über Tausend Plätze in Alters- und Pflegezentren zu viel zur Verfügung stehen. Nichts desto trotz führte die damalige Stadträtin unbeirrt die Baupläne fort.

Unsere Forderung nach einer Altersstrategie warf grosse Wellen. Scheinbar stiessen wir in ein Wespennest. Die Flut neuer Vorstösse von allen Seiten bewog das Gemeinderatspräsidium und das Büro, eine fokussierte Altersdebatte zu traktandieren. Eine Debatte, welche in der Bevölkerung viel Aufmerksamkeit erzeugte und bis tief in die Nacht dauerte.

Um so mehr freuen wir uns über den Richtungswechsel des Stadtrats, der die wichtigsten Forderungen der FDP ins Zentrum stellt:

Weniger Wohnangebot in Alterszentren, mehr individuelle Wohnangebote
Die Generation der Babyboomer ist es gewohnt, Freiheit und Individualität auszuleben. Sie will daher nicht in Altersheimen alt werden. Sie ist mobil und will sich im Alter nicht plötzlich bemuttern lassen. So zeigte eine erneute Obsan-Studie im Auftrag der Stadt, dass ca. 600 Plätze in den Alterszentren obsolet werden, hingegen andere Wohnformen gefordert sind. So kann nun mit der Sanierung der bestehenden Alterszentren auf diese Nachfrage reagiert werden. Statt herkömmliche Alterswohnheime sollen individuelle und variable Lösungen Vorrang haben. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn der Stadtrat einfach weiter am Bedarf vorbeigeplant hätte.

Mehr Wohnungen und mehr Inklusion für die ältere Bevölkerung
In einem weiteren Postulat haben Elisabeth Schoch und Albert Leiser mehr durchmischtes Wohnen gefordert. Leider wurde dieses Postulat von der linken Ratsmehrheit versenkt. Glücklicherweise taucht genau dies in der Altersstrategie wieder auf. So will die Stadt in ihren eigenen Liegenschaften vermehrt auf die Altersdurchmischung achten, sie will die Anzahl Wohnungen der Stiftung Alterswohnungen (SAW) für Menschen mit knappen finanziellen Ressourcen ausbauen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Wohnbaustiftungen, wie zum Beispiel zwischen der SAW und der Stiftung für kinderreiche Familien, angehen. Zudem sollen die Sanierungen der bestehenden Alterszentren dazu führen, dass neue Wohnformen ermöglicht werden. Wir begrüssen auch weitere Initiativen wie neue Wohntauschmodelle zur besseren Verteilung des Wohnraums zwischen den Generationen. Zudem begrüssen wir, dass der Stadtrat Mittel und Wege sucht, damit niemand mehr nur aufgrund der finanziellen Situation in ein Alterszentrum gehen muss, obwohl lieber selbstständig gewohnt werden möchte. Dies ist nicht nur die kostengünstigere Variante, sondern vor allem auch die menschlichere Variante, weil es dem Bedürfnis der älteren Person zugutekommt.

Zusammenarbeit mit privaten Institutionen
Der Stadtrat will den grösseren Teil der überschüssigen Alters- und Pflegeplätzen in den städtischen Liegenschaften abbauen. Auch dies begrüssen wir sehr. Die Stadt muss nicht dort investieren und Konkurrenzangebote aufbauen, wo privatwirtschaftliche und gemeinnützige Institutionen das Angebot – oft sogar besser – sicherstellen können. Die Stadt kann aber Impulsgeberin sein, wenn es darum geht, wie die Stadt für die ältere Bevölkerung im 2035 aussehen soll und dies mit ihren eigenen Liegenschaften entsprechend umsetzen. Auch begrüssen wir, dass der Stadtrat mit allen Institutionen zusammenarbeiten will und die Informationsplattform zueri60Plus.ch auch privaten Anbietern öffnet. Dennoch werden wir weiterhin kritisch hinschauen, wie privatwirtschaftliche Angebote in die durchlässigen Angebote der Stadt integriert werden. Die Stadt muss nicht den Weg «alles aus einer Hand» gehen, sondern soll Lücken füllen, wo die Privatwirtschaft keine Angebote anbietet.

Die Alters- und Pflegezentren unter einer Leitung
Schon bei der Verabschiedung der beiden Verordnungen über die Alters- und Pflegezentren im 2014 fiel uns auf, dass der grösste Teil der Verordnungen identisch formuliert war und dementsprechend auch die Angebote nicht überschneidungsfrei sind. Auch zeigte sich, dass einzig die Stadt Zürich eine Trennung zwischen Alter und Pflege macht. Wir begrüssen, dass der Stadtrat diese Trennung aufhebt und hoffen, dass mit diesen schlankeren Strukturen die bestehenden Ressourcen wieder vermehrt in die Betreuung und Pflege der älteren Menschen fliesst, statt in einen gewaltigen Verwaltungsapparat.

Der Wermutstropfen: eine neue umfassende und detailorientierte Strategie
Obwohl wir mit der Altersstrategie sehr zufrieden sind – werden doch alle unsere Anliegen berücksichtigt –, sind wir von der Breite, dem Volumen und der Detailverliebtheit der Strategie überwältigt. Eine weitere Strategie, welche fast bis zum letzten Perimeter durchgedacht ist und Departements übergreifend Ressourcen bindet und insbesondere private Baubewilligungen zusätzlich erschweren. Die insgesamt 41 Massnahmen werden zudem wesentliche Ressourcen binden. Die FDP wird genau hinschauen, mit welchem Tempo diese umgesetzt werden, wie viele neue Ressourcen aufgebaut werden und wie stark die Mitarbeitenden an der Front von ihrer eigentlichen Arbeit absorbiert werden. Nach jahrelangem Nichtstun, muss jetzt nicht alles von heute auf morgen umgesetzt werden. Ressourcen, welche in einer solchen Hast aufgebaut werden, können erfahrungsgemäss nur schlecht wieder abgebaut werden. Ein weiterer Aufbau der Stadtverwaltung ist zu vermeiden. Ansonsten wird der Gewinn der gemeinsamen Leitung gleich wieder zunichte gemacht, weil ein neuer Verwaltungsapparat aufgebaut wird.