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Eine 4-Millionenvilla für jede Schulklasse

Veröffentlicht am 25.01.2020 von

Yasmine Bourgeois, Gemeinderätin FDP Kreise 7+8, Mittelstufenlehrerin

Wer an ein Schulhaus denkt, denkt an Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer, einen Werkraum, Toiletten, eine Turnhalle, einige WC-Anlagen und ein paar Räume für Hausdienst und Technik. Wenn aber die Stadt Zürich ein Schulhaus Borrweg für 18 Schulklassen baut, dann baut sie: 130 Räume. Und wenn sie ein Schulhaus Allmend für etwa zwölf Klassen baut, so baut sie: 90 Räume. Also jeweils rund 6.5 in Beton gegossene Räume pro Klasse. Darunter zahllose Gruppenräume, Therapieräume, rund zehn Räume für das Schulpersonal und vieles mehr. Frühere Schulhäuser kamen mit der Hälfte der Räume aus, die gebaut, unterhalten, gereinigt und beheizt werden mussten. Und konnten so auch mehr Aussen- und Grünraum bieten.

Schulhäuser sind Zweckbauten, nicht Paläste. Sie sollen vor allem gute Bildung ermöglichen. Der Stadt Zürich reicht dies nicht. Sie bestellt eierlegende Wollmilchsäue, koste es, was es wolle. Pro Schulklasse werden so (ohne Landkosten) zwischen 3.3 und 4 Mio. Franken verbaut. Andere bauen hierfür fünf Einfamilienhäuser.

Acht bis zehn Jahre dauert es bis zur Eröffnung eines solchen Palastes. In Anbetracht des akuten Schulraummangels viel zu lange. Andere Gemeinden und private Schulen beweisen, dass es schneller und günstiger geht.

Schuld ist nicht einfach das Hochbaudepartement – es plant im Wesentlichen, was die steigenden Vorgaben verlangen, was die Verwaltungsabteilungen zusätzlich bestellen und was der Gemeinderat obendrauf packt. Fast «unschuldig» ist das Volk selbst: Es hat nur die (durchaus sinnvollen) Tagesschulen bestellt, wobei ihm die Mehrfachnutzung der Räume versprochen wurde. Während heute die Kinder betreut werden, stehen allerdings oft viele Räume leer.

Kostentreiber gibt es viele – ich nenne hier die Wichtigsten: Zum einen der Kanton mit seiner unbedachten schulischen Integration. Da unterschiedlichste Niveaus in einem einzigen Schulzimmer zu Bahnhofsstimmung führen, werden die schwächeren Schüler/innen letztlich doch wieder separiert. Und dazu auch noch die besonders starken Schüler/innen. Die Folge: Mehr Gruppen- und Therapieräume und zusätzliches Lehrpersonal. Heisst mehr Personalräume und Besprechungsräume. Heisst Personal, das dieses Personal und das schulische Wirrwarr verwaltet. Heisst wieder mehr Räume. Heisst mehr Unterhaltspersonal. Heisst mehr Garderoben und Unterhaltsräume… Nicht nur die Personalkosten der schulischen Integration, auch der Rattenschwanz der übrigen Kosten ist endlos.

Aber auch das Hochbaudepartement müsste die Bestellungen der einzelnen Verwaltungsabteilungen kritischer hinterfragen. Diese beschäftigen sich zu gerne damit, für ihr Gärtchen Maximalstandards zu entwickeln. Bezahlen tun ja andere. Zuletzt vervollständigt dann noch der Gemeinderat mit seinen Maximalforderungen etwa im Bereich der Gebäudetechnik den «Züri-Finish».

Leider steigen die Bildungsresultate nicht mit den Kosten. Im Gegenteil: Unsere Schüler/innen zeigen gegenüber früheren Klassenzügen teils bedenkliche Schwächen. Die FDP will Bildung statt Beton. Sie forderte deshalb im 2018 die Entwicklung eines modularen Einheitsschulhauses. Der links-grün dominierte Gemeinderat lehnte ab. Ihm sind Beton und viele Stellen wichtiger als gute Bildung für unsere Kinder.

 

Dieser Artikel erschien am 15.01.20 im Tagblatt der Stadt Zürich, Rubrik Forum der Parteien

Kategorie Bildung, Schule