Eurogate 2030 Stadtraum gewinnen und Bahngeleise überdecken
Veröffentlicht am 22.08.2025 von Flurin Capaul, Gemeinderat FDP Kreis 3; Emanuel Tschannen, Gemeinderat FDP Kreis 7&8

Wer auf der Hardbrücke steht und den Blick schweifen lässt, der sieht vor allem eins: eine schöne Stadt zerschnitten durch ein grosses Geleisband. Vom Zürcher Hauptbahnhof bis nach Altstetten schlängeln sich Bahnanlagen, Schotterhaufen und Signale. Der Gedanke, der sich dabei aufdrängt, ist: «Wieso, überdeckt man nicht die Geleise und gewinnt wertvollen Stadtraum dazu?».
Der Zürcher Hauptbahnhof lebt’s ja bereits vor: ob Museumsbahnhof (S-Bahn), SZU oder Bahnhof Löwenstrasse (Durchmesserlinie) – alle grossen Erweiterungen der letzten 40 Jahren fanden nur noch im Untergrund und überdeckt statt.
Nun sind wir nicht die ersten die auf diese Idee gekommen sind. Die Anfänge gehen mindestens bis in die 1970er Jahre zurück, als das Architekturbüro Guhl+Lechner+Philipp einen entsprechenden Plan vorlegte, welcher dazumal in das Projekt "Eurogate" mündete. Es wurde – als «HB Südwest» - in einer Volksabstimmung angenommen und eine Baubewilligung erteilt. Sogar bei den Einsprachen konnte man sich einigen. Das damalige Projekt kam dann aus finanziellen Gründen nicht zur Umsetzung.
Nun ist aber nach gut 25 Jahren die Zeit gekommen, um einen neuen Anlauf zu wagen unter dem Arbeitstitel «Eurogate 2030». Denn auch aus heutiger Sicht ist der Ansatz weiterhin bestechend:
- Es schafft zusätzlichen Wohnraum
- Es ermöglicht dringend benötigtes, qualitativ hochstehendes Siedlungswachstum
- Es passt zur Entwicklungsstrategie der unterirdischen Bahntrassees (S -Bahn Stadelhofen, Durchmesserlinie)
- Es eliminiert die grösste Hitzeinsel der Stadt (Bahntrasse Zürich HB -Altstetten)
Wohnraum und Siedlungswachstum
Die damaligen Planungen rechneten mit einem Potential von Wohnraum für 150'000 Menschen. Auch wenn man in Etappen und nur einen Teil dieses Potentials ausschöpft, sind das schnell mehr neue Wohnungen als alle städtischen Massnahmen zusammen. Es bietet auch städtebaulich interessante Optionen – so beispielsweise der Verein Seebahn-Park, der bereits ähnliche Ideen für den Seitenarm des Bahntrassees Richtung Wiedikon wälzt.
Auch hinsichtlich anderen Flächen ist die Idee bestechend. Statt – wie teilweise in Medien kolportiert–Schrebergärten oder Waldflächen für dringend benötigten Wohnraum zu nutzen, überdeckt man Infrastruktur. Die Einhausung Schwamendingen macht’s vor, wie man Verkehrsinfrastruktur überdecken kann und dafür wertvollen Stadtraum gewinnt.
Bahnverkehr
Es werden sich verschiedene Herausforderungen hinsichtlich des Bahnverkehrs stellen und der Erhalt der Leistungsfähigkeit der Bahn ist zentral. Die Planung des damaligen Projekt Eurogate, die neu gebauten unterirdischen Bahnhofsbereiche am HB und Vorbilder in der ganzen Welt zeigen klar auf: es ist möglich, zentrale Geleislinien im Untergrund zu betreiben oder zu überdecken.
Hitzeinsel und Begrünung
Mit grosser Emsigkeit werden in der ganzen Stadt Massnahmen zur Begrünung und Hitzeminderung angegangen. Allerdings zeigen Wärmebilder ziemlich klar: das Geleisband zwischen HB und Altstetten ist die grösste Hitzeinsel der Stadt. Es gibt sogar Vorstösse (u.A. gemeinsam von FDP und SP) zur Begrünung der Geleisanlagen – allerdings ohne viel Erfolg. Etwas polemisch formuliert, was nützt es, wenn wir am Züriberg ein Bäumchen pflanzen, während wir die grösste Schotter- und Stahlwüste links liegen lassen? Massnahmen sollten dort ergriffen werden, wo sie die grösste Wirkung entfalten.
Anfangen ist oft das Schwerste
Es gibt gute Gründe die bestechende Idee «Eurogate» wieder aufzugreifen. Die neu gewonnen Flächen sollen primär zum Wohnen und zum Verweilen genutzt werden und somit eine markante städtebauliche Aufwertung der heutigen Geleisfelder geschaffen werden. Um dies zu ermöglichen, fordern wir nicht nur die Ausarbeitung aller notwendigen Grundlagen, sondern ebenso eine Studie über ein priorisiertes Vorgehen. Dies unter Einbezug aller relevanten staatlichen und privaten Akteuren im Wohnungsbau.
Ein Wurf dieser Grössenordnung wird nicht von heute auf morgen realisiert. Aber wenn wir heute nicht damit anfangen, werden wir gar nie zum Ziel kommen: mehr Stadt- und Wohnraum für unsere schöne Stadt Zürich zu erschliessen.
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