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Gesundheitswesen nach Corona

Veröffentlicht am 28.04.2020 von

Elisabeth Schoch, Gemeinderätin Kreis 4&5

Staatliche Strukturen ausbauen im trügerischen Glauben, für die nächste Krise gewappnet zu sein?

Das Licht am Ende des Tunnels wird sichtbarer und kommt näher. Doch die Wiederherstellung normaler Gesellschaftsstrukturen und das Hochfahren der Wirtschaft nach dem Lockdown wird uns fordern. Der Bundesrat hat über weite Strecken gut gehandelt. Unsere Sozialsysteme und das Gesundheitswesen haben sich in der Krise gut bewährt. Die Gefahr besteht nun darin, dass wir Krisenmechanismen mit dem Normalzustand verwechseln und so rigide staatliche Strukturen ausbauen. Dabei ist es gerade auf dem Weg zurück in die Normalität wichtig, auf Freiheit und Flexibilität zu setzen. Es gilt, die richtigen Lehren zu ziehen und mit Augenmass unsere Systeme zu verbessern. Die Finanzpolitik der Vergangenheit hat es uns erlaubt, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern und allen Schweizer Bewohnern existenzielle Sicherheit zu geben. Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht gratis. Es ist die Folge einer umsichtigen Finanzpolitik, welche in normalen Zeiten nicht mit der Giesskanne Subventionen verteilt, in der Not aber gerade darum unterstützend eingreifen kann. Auch unser Gesundheitssystem hat in der Krise mit Zivildienst und Militär gut zusammengearbeitet und die notwendigen personellen Ressourcen rechtzeitig bereitstellen können. Im Vergleich mit anderen Ländern können wir mit gutem Gewissen behaupten, dass unser Gesundheitswesen und der Staat die Herausforderungen der Pandemie bisher vergleichsweise gut gemeistert haben.  

Jetzt geht es also nicht darum, das Gesundheitswesen und das Sozialsystem massiv auszubauen. Vielmehr geht es darum festzustellen, was alle diese Institutionen und wir aus dieser Krise lernen können.

 

Ich sehe folgenden Handlungsbedarf:

Zusammenarbeit und Abläufe im Pandemieplan:

Zusammenarbeit mit der Wissenschaft aller Disziplinen muss definiert und von Anbeginn vorgesehen werden. Welche Universitäten und Fachhochschulen, Gesundheitsinstitutionen und Professoren oder generell Fachleute werden bei Pandemien auf welche Weise in die bundesrätliche Taskforce involviert? Welche Verbände werden zu welchem Zeitpunkt involviert? Welche Rolle kann die zivile Gesellschaft einnehmen? Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit unter allen diesen Akteuren? Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden muss zwischen allen politischen Gewalten koordiniert und im Pandemieplan abgebildet sein. Insbesondere ist die stufenübergreifende Funktion der Parlamente kritisch zu hinterfragen und zu definieren. Welche politischen Gremien haben wann welche Funktion zu erfüllen? Beim Aussprechen einer ausserordentlichen Lage oder Notlage müssen Ausstiegsszenarien aus der Krisensituation von Anbeginn im Auge behalten werden. Entsprechende Kapazitäten sind in der bundesrätlichen Taskforce zu berücksichtigen. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, dass Fakten vorhanden sind, auf die politische Entscheidungen zurückgreifen können. Sind diese Fakten noch nicht vorhanden, so muss alles unternommen werden, so rasch wie möglich diese Fakten zu erhalten. Es muss klar das Ziel sein, faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Der Stand der Dinge und die aktuelle Faktenlage müssen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, so dass auch Schwarmintelligenz genutzt werden kann.

Reservekapazitäten:

Ein Pandemieplan muss die Koordination der medizinischen Institutionen besser definieren. Welche Spitäler sind Pandemiespitäler? Wie wird mit Alters- und Pflegezentren zusammengearbeitet? Welche Rolle kommt den Arztpraxen zu? Kurz: welche Reservekapazitäten lassen sich wo und in welchem Zeitraum mobilisieren? Der Pandemieplan muss konsequent umgesetzt werden. Reserven für Masken, Schutzmäntel und weiteres in Krisen relevantes Material müssen angelegt sein und auch kontrolliert werden.

Personelle Kapazitäten und Digitalisierung im Gesundheitswesen: 

Zivildienst und Militär sind enger in den medizinischen Notfallplan zu integrieren und stärken. Mit diesen Institutionen können Reserven sichergestellt werden, ohne dass das Gesundheitswesen während normalen Zeiten deutlich überdimensionierte personelle Kapazitäten aufweisen muss. Personen, welche eine Ausbildung im Gesundheitswesen haben, aber nur in Teilzeit oder nicht mehr im Beruf arbeiten, sollen registriert werden, sodass sie im Ernstfall effizient und gezielt zur Unterstützung aufgefordert werden können – analog zu den militärischen Reserven. Die personellen Ressourcen im Gesundheitswesen müssen kritisch hinterfragt werden, auch im Hinblick auf administrative Abläufe und effektive Patientenbehandlung. Es darf nicht sein, dass Ärzteschaft, Pflege und weitere medizinische Berufe einen grossen Teil ihrer Arbeitszeit mit bürokratischen Hürden verbringen. Die Digitalisierung muss im Gesundheitssystem verbessert werden, um das Gesundheitspersonal administrativ zu entlasten. Digitale Prozesse sowie digitale Erfassung und Kommunikation von Daten müssen unter Wahrung des Datenschutzes optimiert werden. Das elektronische Patientendossier muss jetzt realisiert werden. Das Gesundheitswesen braucht dringend einen Digitalisierungsschub. Neue Technologien wie Telemedizin oder Artificial Intelligence sollen gefördert werden, um Berufe im Gesundheitswesen zu entlasten und im Pandemiefall alternative gesundheitliche Versorgungsmodelle darzustellen. Die Datenerfassung und -kommunikation muss gerade im Gesundheitswesen so aufgebaut werden, dass daraus auch rasch und unkompliziert Informationen für die Krisenbewältigung abgelesen werden können.

 

Zusammenfassend sehen wir als freisinnig-liberale Gesundheitspolitiker in der Aufarbeitung der Corona-Pandemie in erster Linie Handlungsbedarf in der Koordination der verschiedenen Akteure, bei den Reservekapazitäten, der Flexibilität personeller Ressourcen und in der Digitalisierung im Gesundheitswesen. 

Ebenso wichtig wie ein gutes Gesundheitssystem ist aber auch eine stabile Wirtschaft, welche in Krisenzeiten genügend Reservekapazitäten aufweist: ein qualitativ gutes Gesundheitssystem ist auf genügend personelle und finanzielle Mittel, auf funktionierende Lieferketten und auf Produkte aus der Wirtschaft angewiesen. 

 

 

Kategorie Gesundheit